Familie u. Bildung

Investitionen in Familie, Bildung und individuelles Lernen

Grüne Bildungspolitik im Landkreis Aschaffenburg möchte für alle Kinder und Jugendliche faire Bildungsmöglichkeiten.

Junge Menschen sind unsere Zukunft. Da kein junger Mensch verloren gehen darf, ist es unser oberstes Ziel, die Verantwortung für Kinder und Jugendliche zu einem zentralen Anliegen der gesamten Gesellschaft zu machen.

Jeder in der Gesellschaft verliert, wenn zu viele Jugendliche ohne oder mit einem schlechten Bildungsabschluss Schwierigkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, während Lehrstellen nicht besetzt werden, weil zu wenig geeignete Bewerber gefunden werden. Hier ist eine Schräglage in einem System, das vorwiegend auf Selektion vertraut hat. Aufgrund veränderter Lebensverhältnisse ist ein vorwiegend auf Auslese vertrauendes Schulsystem aber nicht mehr zeitgemäß! Die Bildungspolitik der CSU setzt ungeachtet dessen jedoch weiterhin auf Selektion und bevorzugt vor allem jene Kinder, die zu Hause genügend Förderung erhalten oder hochtalentiert sind und mit allen Umständen (große Klassen, G8, etc.) alleine zurechtkommen. Wir können es uns nicht mehr erlauben, auch nur ein einziges talentiertes Kind allein aufgrund seiner Lebensumstände, sozialer Herkunft oder unzureichender Sprachkenntnisse in einen Kreislauf von Misserfolg und Versagen geraten zu lassen.
Alle Kinder und Jugendlichen sollen – unabhängig von Herkunft und Elternhaus – ihren Begabungen entsprechend unterstützt und gefördert werden, damit sie durch den Erwerb von Schlüsselqualifikationen gute Startchancen für ein eigenverantwortliches Leben haben.


Dafür wollen wir uns als Bündnis 90 / Die Grünen im Landkreis einsetzen:
Vom Kreis finanzierte Bildungspatenschaften für alle interessierten Schüler*innen
Bildungspatenschaften sind ein vielerorts erfolgreich praktiziertes Konzept, bei dem Schüler*innen höherer Klassen oder Studierende gegen ein vom Kreis finanziertes Entgelt ein oder mehrere Kinder beim Erreichen von Bildungserfolg unterstützen. Diese Leistung des Kreises soll vor allem Schülern mit abfallenden oder schwachen Leistungen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Hauptanliegen ist hierbei den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft weiter zu entkoppeln und dabei ein pädagogisches Konzept zu erarbeiten, das bei Kindern und Jugendlichen vor allem wieder Spaß am Lernen und Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten wecken soll. Defizite sollen gezielt ausgeglichen und individuelle Stärken gezielt gefördert werden.

Ausbau von sprachlicher Frühförderung und anhaltende Bemühungen um eine hohe Sprachkompetenz aller Kinder
Lese- und Sprachkompetenz sind zentrale Schlüssel zu Bildungserfolg sowie späterem beruflichem und gesellschaftlichem Erfolg. Im Rahmen eines Ausbaus der frühen Sprachförderung in Kindergärten sowie späterer Bildungspatenschaften im Landkreis soll insbesondere diesem Aspekt von Bildung ein besonderer Schwerpunkt beigemessen werden.

Ausbau von Jugend- und Familienhilfen

Das bei uns übliche Familiensystem der Kleinfamilie ist anfällig für eine Vielzahl von Störungen, die Sicherheit und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen stark beeinträchtigen können. Stress auf der Arbeit, gestiegene Anforderungen in der Schule, steigender Konkurrenzdruck unter Arbeitnehmern und sinkende Löhne zwingen viele Eltern zu einem Spagat zwischen Gelderwerb und Erziehungsarbeit, der leicht zu Überforderung führt. Wir Grünen stellen uns dieser Realität und möchten die Grundlagen dafür schaffen, Familien in ihrem Alltag bedarfsgerecht zu unterstützen, wenn diese Unterstützung gewünscht ist.

Vermehrter Einsatz von Familienhebammen und Schutz des Berufes der Hebamme

Familienhebammen sind speziell ausgebildete Fachkräfte, die Familien in schwierigen Situationen umfassend unterstützen. Dabei werden sowohl Eltern-Kind-Interaktionen verbessert, als auch eine Entlastung für überlastete Eltern und Alleinerziehende bereitgestellt. Diese Leistung wird – trotz des nachweislich sehr hohen Erfolges dieses Konzepts – leider viel zu selten finanziert und viel zu selten eingesetzt. Die Grünen des Landkreises Aschaffenburg fordern die Anwerbung und Ausbildung von mehr Familienhebammen im Kreis und deren vermehrten Einsatz und Finanzierung durch den Kreis!

Einführung von „JaS“-Stellen auch an weiterführenden Schulen

Junge Menschen sind zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen. Im Rahmen der Jugendhilfemaßnahmen im Schulsystem soll die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule auch auf weiterführende Schulen des Landkreises ausgeweitet werden. Dies gelingt nur, wenn an jeder dieser Schulen eine Stelle für Jugendsozialarbeit geschaffen wird, um den Übergang von der Schule in den Beruf verlässlich und nachhaltig zu gestalten, falls durch Jugendliche und Eltern hier eine Unterstützung gewünscht wird.

Umsetzung des Bildungskonzeptes „Inklusion“ und verbesserte Personalausstattung an Schulen

Im Dezember 2006 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung verabschiedet. Eine der Kernaussagen der Vereinbarung der Behindertenkonvention der UN (2009) beinhaltet, dass niemand aufgrund einer Behinderung vom „allgemeinen, unentgeltlichen und obligatorischen Unterricht“ ausgeschlossen werden darf. Ein gemeinsamer Schulbesuch von Menschen mit und ohne Behinderung fördert jedoch auch nachweislich die soziale Kompetenz, Toleranz und Lebenserfahrung aller Kinder und leistet somit einen sehr wichtigen Beitrag zu deren Charakterbildung. Befürchtungen, dass dieses Schulkonzept Kindern schaden könnte, lassen sich durch die erfolgreichen Schulsysteme skandinavischer Länder (wie z.B. Finnland) widerlegen, wo diese Unterrichtsform mit der dafür notwendigen besseren Ausstattung mit Lehrkräften häufig Standard ist. Davon profitieren dann letztendlich alle Schüler.

BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN möchten, dass der Landkreis Aschaffenburg Vorbild für Familienförderung und eine gerechtere Bildungspolitik bei gleichzeitig hoher Bildungsqualität ist, denn: Investitionen in Bildung sind letztlich weitaus günstiger als die Folgen von Bildungsversagen später finanzieren zu müssen!