Die Grüne Kreistagsfraktion hat anlässlich der Sitzung des Kreisausschusses eine Anfrage zum Hitzeschutz gestellt. Uns interessiert besonders:
Was wurde bislang getan? Welcher Bedarf wurde von den Betroffenen gemeldet? Wo sieht das Landratsamt weiteren Handlungsbedarf? Wie sehen die zukünftigen Planungen in diesem Bereich aus? Zur Situation in folgenden Einrichtungen fragten wir genauer nach: Schulen, Kinderbetreuungs- und Jugendeinrichtungen, Bauen, Pflegeeinrichtungen, Klinikum, Landkreisverwaltung. Aber es geht uns auch um den Zustand der Verkehrswege und möglicher Inanspruchnahme von Förderprogrammen des Bundes/Freistaats für Klimaschutzanpassung/Hitzeschutzmaßnahmen.
Im Kreisausschuss wurden diese Punkte konstruktiv diskutiert und wir gehen davon aus, dass diese Fragen auch in der Kreistagssitzung am 21.7. behandelt werden.
Anfrage zum Hitzeschutz im Landkreis Aschaffenburg
Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Legler,
die Auswirkungen der extremen Hitze sind sehr besorgniserregend. Aufs Neue leiden die Menschen unter sommerlicher Hitzebelastung. Die Zahl der Hitzetoten nimmt auch in unserer Region zu.
Viele Gebäude sind baulich und ausstattungstechnisch nicht gegen die Klimakrise gewappnet. Innentemperaturen von weit über 30 Grad Celsius sind keine Seltenheit.
Um für die Zukunft besser gewappnet zu sein, ist es wichtig, dass die aktuelle Situation (Juni/Juli 2026) evaluiert wird. Die Kreistagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet daher, folgende Fragen zu beantworten:
Schulen
- Welche verbindlichen Vorgaben oder fachlichen Standards bestehen zum Schutz vor sommerlicher Hitze in kreiseigenen Schulen, insbesondere hinsichtlich Verschattung, Lüftung, Kühlung, Begrünung, Trinkwasserversorgung und kühler Rückzugsräume (bitte zwischen verbindlichen und empfehlenden Vorgaben differenzieren)?
- Wie viel Unterricht fiel aufgrund der großen Hitze an den beruflichen Schulen, Förderschulen, Realschulen und Gymnasien im Landkreis Aschaffenburg aus?
- Gab es vonseiten der landkreiseigenen Schulen (Schulleitungen, Schüler*innenvertretungen, Elternvertretungen) Forderungen an die Landkreisverwaltung den Hitzeschutz an den Schulen zu verbessern und wenn ja, von welchen Schulen? Wurden konkrete Forderungen genannt? Wenn ja, welche?
Kinderbetreuungs- und Jugendeinrichtungen
Jede Menge Einrichtungen stehen im Landkreis vor großen Herausforderungen. Kinder und Personal leiden unter der großen Hitze. Gruppenräume haben Temperaturen über 30 Grad. Viele sind in kommunaler Trägerschaft, aber auch kirchliche Einrichtungen sind betroffen. Um eine bessere hitzebedingte Situation zu gewährleisten, wären Klimaanlagen, idealerweise mit PV-Anlagen kombiniert sicher eine Lösung. Auch Kraftwärmepumpen können einen Beitrag zur Kühlung leisten.
- Wäre es denkbar, dass der Landkreis nicht nur beratend, sondern auch ein übergeordnetes Angebot zur Kosteneffizienz unterstützt (Anschaffungen im Kollektiv in Absprache mit den Kommunen)?
Bauen
- Welche verbindlichen Vorgaben bestehen für Schulen hinsichtlich hitzeresilienter Bauweise (insbesondere Verschattung, Begrünung, Entsiegelung, Klimatisierung, passive Kühlung und klimaangepasste Freiflächenplanung)?
Pflegeeinrichtungen
- Ist der Landkreisverwaltung bekannt, welche Wohn- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis wegen der Hitze Probleme haben?
- Mussten Pflegebedürftige aufgrund der Hitze ins Krankenhaus verlegt werden?
- Gab es Krankmeldungen bzw. Krankschreibungen aufseiten des Personals bezüglich hitzebedingter gesundheitlicher Probleme?
Krankenhaus
- Wie ist die Situation am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau?
- Konnten alle Patient*innen, die mit hitzebedingten Symptomen in das Klinikum eingeliefert wurden, behandelt werden oder mussten Patient*innen in anderen Kliniken behandelt werden?
- Gab es Krankmeldungen bwz. Krankschreibungen aufseiten des Personals bezüglich hitzebedingter gesundheitlicher Probleme?
Schutz vulnerabler Gruppen
- Wie hat das Gesundheitsamt die Unterstützung besonders gefährdeter Personengruppen (z. B. Senioren, chronisch Kranke) sichergestellt?
- Gab es ein aktives Warnsystem oder koordinierte Besuchsdienste, um soziale Isolation und gesundheitliche Notfälle während der Hitzewellen zu vermeiden?
Landkreisverwaltung
- Kamen vom Personal des Landkreises Forderungen nach Hitzeschutzmaßnahmen an ihrem Arbeitsplatz? Gab es Krankmeldungen bzw. Krankschreibungen aufseiten des Landkreispersonals bezüglich hitzebedingter gesundheitlicher Probleme?
- Sind Öffnungszeiten verändert worden?
- Hatte die extreme Hitze Auswirkungen auf die Müllabfuhr? Wenn ja, welche?
Infrastruktur
- Gab es auf landkreiseigenen Straßen und Fahrradwegen hitzebedingte Schäden?
Zukunft, strategische Planung
- Gibt es einen konkreten Plan, wie in den folgenden Jahren der Hitzeschutz verbessert werden kann, wenn ja, wie sieht dieser aus? Inwieweit wurden die im Juni/Juli 2026 aufgetretenen Extremwerte zur Evaluierung und Anpassung dieses Plans genutzt?
- Gibt es seitens des Bundes oder des Freistaats Bayern Förderprogramme für Hitzeschutzmaßnahmen (insbesondere für Verschattung, Begrünung, Entsiegelung, Trinkwasserinfrastruktur, bauliche Kühlung und Klimatisierung)? Wenn ja, welche? Plant die Verwaltung, diese in Anspruch zu nehmen? Oder wurden bereits Förderprogramme beantragt?
Vielen Dank.
Für die Fraktion
Christine Scheel
Fraktionssprecherin